Flugvorbereitung/Zoll
Zoll / Einreise

VORWEG: Leider geht es mit dem Thema "Einreise" in Frankreich seit ein paar Jahren etwas drunter und drüber. Los ging es mit der Flüchtlingswelle und den Anschlägen in Paris Ende 2015. Es wurde schließlich ein Ausnahmezustand verhängt, welcher letztlich vor dem Hintergrund der Fußball-EM noch ausgedehnt wurde. Dann folgten bekanntlich weitere Anschläge. Und seit 2020 natürlich die ganze Covid-Thematik und die allgemeine Einschränkungs- und Kontrollwut, die überall spürbar ist. Daher bestehen in Frankreich gewisse Einschränkungen bezüglich der sonst im EU-+Schengenraum gewohnten Freiheiten, die kurz erläutert sein müssen:

Und zwar ist es so, dass viele französische Flughäfen derzeit auch für internationale Flüge, die eigentlich gar keine Grenzpolizeikontrolle erfordern (z.B. solche aus oder nach Deutschland), eine PPR-Anmeldung fordern, sprich: diese Flüge müssen vorab, teils sogar mit 24 oder gar 48 Stunden Vorlauf, dem französischen Zoll voravisiert werden. Meist will der Zoll mittlerweile dazu vorab eine Liste der Insassen mit Ausweisnummern etc. haben. Der Punkt ist aber: dies alles gilt stets nur für Plätze, die grundsätzlich die Möglichkeit der Schengen Ein- oder Ausreisekontrolle bieten (so genannte "points de passage frontalier"). Und wie gesagt: dies gilt dort derzeit vielfach auch für internationale Flüge innerhalb Schengens!

Grundlage dafür ist ein Passus im Schengener Abkommen, der es Zeichnerstaaten erlaubt, zeitweise (entgegen dem Grundgedanken des Abkommens) doch Grenzkontrollen durchzuführen. Diesen Passus hat Frankreich aktuell bei der EU gezogen. Bedeutet aber eben nur: die Behörden haben das Recht, bei Ein- und Ausreise Personenkontrollen durchzuführen. Es heißt aber zum Glück nicht. dass man - solange man sich innerhalb des Schengenraum bewegt - gezwungen wird, nur über zugelassene Grenzübergangspunkte ein- oder auszureisen. Auf das Fliegen bezogen bedeutet das, dass man auch weiterhin bei Flügen innerhalb des EU+Schengenraums alle beliebigen Flugplätze nutzen darf. Es ist lediglich so, dass die Behörden Ausweiskontrollen durchführen *dürfen*, und hierfür (um dazu in die Lage versetzt zu werden) natürlich auch eine Voranmeldung des Flugs fordern. Dies aber wie gesagt nur an jeden Plätzen, die als "Grenzübergangsstelle" klassifiziert sind. Klar?

Das ganze Thema mit den Grenzkontrollen an den "points de passage frontaliers" wird allerdings leider von Platz zu Platz völlig uneinheitlich gehandhabt. Daher kann ich nur folgende Tipps geben: die NOTAMs noch genauer studieren als bisher. Leider kümmern sich viele Plätze aber nicht mal um die Herausgabe eines NOTAMs zu dieser PNR-Pflicht, sondern schreiben wenn überhaupt lediglich einen Hinweis auf ihre (oft nur auf Französisch verfügbare...) Website. Das geht natürlich genau genommen gar nicht. Es führt aber womöglich dazu, dass es - wenn man sich NICHT vorab angemeldet hat und dann aus dem Ausland kommend dort landet - vor Ort zumindest etwas "Palaver" und Zeitverlust geben könnte, was man sich sicher lieber ersparen möchte.

Da einige Plätze sich wie gesagt nicht mal die Mühe machen, ein NOTAM herauszugeben, empfehle ich außerdem, und zwar mindestens zwei Tage vor dem Flug selbst, sich im Zweifel direkt beim Zielflughafen darüber zu erkundigen, was denn aktuell konkret für "internationale" Flüge gefordert wird.

Oder aber - am einfachsten - man verwendet für Ein- und Ausflüge (innerhalb der EU+Schengenraums) einfach nur noch "kleine" Plätze, die formal gar keinen Status als Grenzübergangsstelle haben, denn diese unterliegen dann auch keiner PPR-Anforderung dafür, dürfen aber natürlich weiterhin direkt angeflogen werden. Dies bestätigt auch das gültige Arrêté du 24 Octobre 2017. (Artikel 9).

Insgesamt bleibt es aber dabei: die Situation ist leider unbefriedigend, und es bleibt sehr zu hoffen, dass sich das alles recht bald wieder normalisiert.

So, nun aber zu den generellen Infos bezüglich den grundsätzlichen Regelungen zum Thema Zoll / Einreise in Frankreich:

Das Thema Zoll / Einreise ist in Frankreich (zumindest für "Besuchende" aus Deutschland und Österreich) glücklicherweise (mit der oben genannten aktuellen Einschränkung) kein besonders großes Thema, denn Frankreich gehört bekanntlich ebenso zur Gruppe der Mitglieder der EU-Zollunion und Vollanwender des Schengener Abkommens. Das bedeutet also: man kann, wie man es seit Jahren in den meisten Teilen Europas gewohnt ist, salopp gesagt einfach einen Flugplan machen und losfliegen, ohne Rücksicht auf den Zollstatus des Start- und Landeplatzes. Dies gilt also u.a. für Flüge von und nach Deutschland, die Niederlande, Dänemark, Belgien, Portugal, Spanien, Österreich und Italien (eben mit den oben genannten aktuellen Einschränkungen).

Wirklich relevant ist im Zusammenhang mit Frankreich also das ganze Zoll- und Einreisethema eigentlich weitestgehend nur für (mittlerweile) drei Gruppen: 1. Piloten, die von der Schweiz aus in Richtung Frankreich fliegen bzw. wieder zurück; 2. Piloten, die von Frankreich in die Republik Irland (oder auch Kroatien) bzw. wieder zurück wollen und 3. Piloten, die nach UK, auf die Kanalinseln oder auf die Isle of Man fliegen bzw. von dort wieder nach Frankreich wollen.

Zu 1.: Bei diesen Flügen ist bekanntlich in Frankreich nur Zoll im engeren Sinne notwendig, denn die Schweiz ist ja ebenfalls Schengen-Vollanwender. Man muss also gut prüfen, ob auf dem angepeilten Landeplatz in Frankreich "Zoll" (französisch: "douane") zur Verfügung steht und ob dies mit einer Voranmeldung verbunden ist.

Also: unbedingt genau prüfen, ob auf dem geplanten Platz tatsächlich Zoll gemacht werden kann (auch die NOTAMs checken!) und ob dafür eine Voranmeldung notwendig ist. Hinweis: 2016 haben eine ganze Reihe von Plätzen ihren Status als Schengen-Grenzübergangspunkt (zum Teil aber nicht unbedingt den Status als Zollplatz) verloren; dies betrifft dann allerdings Flüge aus der und in die Schweiz nicht, denn die Schweiz ist ja Teil des Schengen-Raums, und es geht hier ja nur um das Thema der EU-Grenzen.

Man muss also beim Studium der AIP und der NOTAMs schon sehr genau hinsehen; früher galt für Frankreich weitestgehend, dass Zoll und Einreise an den Flughäfen Hand in Hand gingen. Dies ist heutzutage nicht immer unbedingt mehr der Fall. Es gilt: ein Platz, der Einreiseplatz ist, ist stets auch Zollplatz. Ein Zollplatz muss aber nicht unbedingt auch Einreiseplatz sein. Ein Beispiel: die beiden beliebten Pariser GA-Plätze Toussus-Le-Noble (LFPN) und Pontoise (LFPT) haben ihren Status als "Einreiseplatz" ("point de passage frontarlier") verloren; nicht aber den als Zollplatz. Man kann dort (mit Voranmeldung) weiterhin eine reine Zollkontrolle machen. Heißt also, dass dort weiterhin Flüge von und zu Nicht-EU-Staaten erlaubt sind, solange man innerhalb von Schengen bleibt. Mit anderen Worten: Flüge von und in die Schweiz sind möglich; Flüge von und nach UK aber nicht. Es gibt noch einige weitere Plätze, die zwar Zollplatz, aber nicht Grenzübergangspunkt sind.

Hier ein paar Tipps für nach wie vor zugelassene Zollplätze in unmittelbarer Nähe der Schweizer Grenze: Annemasse (LFLI), Grenoble St. Geoirs (LFLS), Annecy (LFLP), Chambery (LFLB), Colmar (LFGA), Besançon (LFQM), Dole-Tavaux (LFGJ), Montbéliard (LFSM), Pontarlier (LFSP). Diese erfordern stets eine Voranmeldung von ein paar Stunden.

Dazu kommen natürlich die beiden (recht teuren und weniger GA-freundlichen) Flughäfen Basel (LFSB) und Genf (LSGG), die beide doppelten Zollstatus (Schweiz und Frankreich) haben. Wobei Basel durchaus noch ganz OK ist.

Es gibt im Internet von der EU auch eine offizielle Liste aller Zollflugplätze in Frankreich. Die aktuelle (Ende 2021er) Version findet sich hier. Sie ist aber dennoch etwas mit Vorsicht zu geniessen. Annemasse (LFLI) fehlt dort zum Beispiel...

Natürlich spricht auch nichts dagegen, bei einem Flug z.B. von der Schweiz aus die EU-Einreise zunächst z.B. in Deutschland zu machen und dann nach Frankreich weiterzufliegen.

Was Flüge in die und aus der Schweiz angeht, ignoriert Frankreich leider bisher die 2020 in Kraft getretenen Änderungen der Delegierten Verordnung (EU) 2020/877, also den unter gewissen Umständen geltenden Wegfall der Zollflugplatzpflicht.. Daher muss man bisher, bis auf Weiteres, auch bei solchen Flügen unbedingt einen Zollplatz zu nutzen.

Nun zu 2.: die Republik Irland (aber eben z.B. auch Kroatien) ist der "umgedrehte Fall" zur Schweiz, d.h. diese sind zwar Mitglied in der EU-Zollunion, dafür aber kein Vollanwender des Schengener Abkommens. Also muss man beim Ein- und Ausflug aus Frankreich stets eine Grenzkontrolle durchlaufen. Hierfür braucht man auf französischer Seite einen Platz, der solch eine Grenzkontrolle/-abfertigung erlaubt ("point de passage frontalier").

Die offizielle Liste der "points de passage frontaliers", also die der zugelassen Schengen- Ein- bzw. Ausreiseplätze, Stand 2021 (2022 noch akuell), finden Sie hier.

Leider haben sehr viele dieser Plätze mittlerweise eine PPR-Regelung für Ein- oder Ausreise, da an vielen Plätzen die Polizei (oder die Kontrolle durchführende Zollpersonal) nicht mehr permanent am Platz ist. Standardgemäß werden mittlerweile sogar 24 Stunden Vorlauf gefordert!

Und nun zu 3., also Flügen von oder nach UK, den Kanalinseln und der Isle of Man. Hier handelt es sich um Länder, die weder EU-Mitglied, noch Schengen-Anwender sind. Heißt also: sowohl Zoll, also auch Einreise bzw. Ausreise sind am französischen Ende notwendig. Nun ist es in Frankreich so, dass alle Plätze, die "point de passage fronalier" sind, auch immer Zollplätze sind. Daher sind diese also durchweg für solche Flüge geeignet; andere nicht.

Tipps für beliebte Einreiseplätze direkt am Kanal sind: Calais (LFAC), Le Touquet (LFAT), Le Havre (LFOH), Deauville (LFRG), Caen (LFRK), Cherbourg (LFRC) und Dinard (LFRD); bei diesen ist aber wie gesagt mitterweile überwiegend für so etwas eine vorige Einreiseanmeldung (teils nur mit ein paar Stunden Vorlauf, teils aber auch zumindest offiziell mit 24 Stunden Vorlauf notwendig!). Dies meist direkt an den Zoll, teilweise auch indirekt über die Flughafenleitung. Leidiglich Calais (LFAC) und Le Touquet (LFAT) erfordern "nur" zwei Stunden.

Für Paris-Besucher, die von oder nach UK, Irand, oder die Kanalinseln fliegen möchten: Schengen- Ein- bzw. Ausreise von und zu den Britischen Inseln ist wie gesagt in Toussus-Le-Noble (LFPN), Lognes-Emerainville (LFPL) und Pontoise (LFPT) nicht mehr möglich. Einzige Option hierfür im Großraum Paris ist mittlerweile der Platz Beauvais (LFOB); dieser ist zwar schon recht weit von Paris entfernt, hat aber dank Ryanair eine recht gute Anbindung mittels Bus. Le Bourget (LFPB) hat natürlich auch Einreisemöglichkeit, ist aber sehr sehr teuer. Ganz im Zweifel kommt ggf. auch noch Rouen (LFOP) in Frage. Die andere Alternative ist, zunächst auf einem Platz nahe am Kanal die Einreise zu machen und dann nach Paris (z.B. St. Cyr, LFPZ) weiterzufliegen.

In jedem Fall: immer aufmerksam die NOTAMs checken, denn die Zoll- und Grenzkontrollregelungen der Flugplätze ändern sich recht häufig.

Für alle Zoll- und Einreisethematiken, die bei solchen Flügen hingegen die Seite der Britischen Inseln betreffen, sei hier auf www.fliegen-in-uk.de verwiesen.

Noch zwei Hinweise zum Umgang mit dem Zoll bzw. der Grenzpolizei in Frankreich: sollten Sie in Frankreich landend oder in Frankreich startend einen Flug mit Start oder Ziel außerdem des Schengenraums oder EU-Raums durchführen: 1.: bei Plätzen mit permanenter Präsenz der Zolls bzw. der Polizei: gehen Sie vor dem Start bzw. nach der Landung in deren Büro vorbei und melden sich. Das wird so gefordert. Es reicht also nicht, einfach nur einen solchen Platz benutzt zu haben, sondern man sollte sich aktiv dort zur Kontrolle melden. Und 2.: bei Plätzen, wo Zoll bzw. Polizei nicht permament vor Ort sind, Sie also hierfür eine PPR-Anfrage gestellt haben und die Beamten somit (ggf.) extra für ihren Flug zum Platz kommen: verlassen Sie zum Start nie die Parkposition vor der von Ihnen in der Anmeldung angegeben Abflugzeit; manchmal kommen die Beamten nämlich auf die letzte Minute doch noch zur Kontrolle. Genauso bei der Landung: verlassen Sie den Flugplatz nach der Landung nicht vor Ablauf der flugplangemäßen ETA (also ATD+ETE).

Abschließend noch Folgendes: Sollten Sie ein N-registriertes Flugzeug fliegen und damit nach Frankreich kommen, machen Sie sich ganz besonders auf eine mögliche Zollkontrolle gefasst. Es ist so, dass N-registrierte Flieger ganz besonders im Visier des französischen Zolls sind. So kommt es vor, dass dieser (durch Flugplandaten avvisiert) nach dem Stichprobenprinzip N-regs. kontrolliert. Dies passiert wohlgemerkt auch auf kleinen Provinzplätzen; die Zollleute kommen dann - meist durch den Flugplan informiert - dorthin gefahren. Von maximaler Wichtigkeit ist hier, dass man Dokumente mit sich führt, welche zweifelsfrei die Entrichtung der Einfuhrumsatzsteuer in einem EU-Land belegen. Achten Sie darauf, dass diese (oder die Kopien, die Sie mitführen) gut leserlich ist, inklusive der (möglicherweise viele Jahre alten) Stempel. Idealerweise hat man auch Kopien der Rechnung(en) dabei, mit der die Einfuhr beglichen wurde. Dies bitte nicht auf die leichte Schulter nehmen - ich rede aus Erfahrung...


© Philipp Tiemann